Was ist BIM?
BIM steht für Building Information Modeling (Gebäudedatenmodellierung). Anders als bei klassischem CAD, das primär geometrische Zeichnungen liefert, ist BIM eine Arbeitsmethodik: Ein digitales 3D-Modell eines Gebäudes enthält nicht nur Wände, Decken und Öffnungen als geometrische Formen, sondern jede Komponente trägt semantische und technische Informationen — welches Material, welche Wärmedämmwirkung, welcher Hersteller, welcher Wartungsintervall.
Das Resultat ist ein sogenannter «digitaler Zwilling» des Bauwerks: ein Modell, das den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abbildet — von der ersten Entwurfsstudie über Baueingabe, Ausführungsplanung und Rohbau bis zum Facility Management nach Übergabe. BIM vereint damit Architektur, Statik, Gebäudetechnik, Kosten- und Terminplanung in einer gemeinsamen digitalen Quelle.
In der Schweiz ist BIM seit 2021 für neue Bundesprojekte vorgeschrieben (Swiss BIM-Strategie), die grossen Kantone und Gemeinden folgen bei öffentlichen Mandaten. Die relevanten Normen sind die SIA 2051 (BIM-basierte Arbeitsweise) und die SIA 1.10 (Anwendungsdokumentation BIM). Der internationale Referenzstandard für den Datenaustausch ist das offene IFC-Format (ISO 16739).
BIM vs. CAD
Obwohl BIM-Software oft als Nachfolger von CAD angesehen wird, sind die beiden Konzepte fundamental unterschiedlich. Die Tabelle zeigt die Kernunterschiede.
CAD (klassisch)
Geometrische Darstellung: Linien, Flächen, Volumen. Eine Wand ist eine Serie von Linien auf einem Grundriss. Änderungen am Grundriss und am Schnitt müssen manuell synchron gehalten werden. Austauschformate: DWG, DXF. Bekannte Software: AutoCAD, Vectorworks, Rhinoceros.
BIM
Objektorientiertes Modell: Eine Wand ist ein Bauteil mit Eigenschaften (Dicke, Material, U-Wert). Änderung an einem Bauteil aktualisiert Grundriss, Schnitt, Ansicht und Mengenauszug automatisch. Austauschformat: IFC. Bekannte Software: Revit, ArchiCAD, Allplan, Vectorworks Architect, Tekla Structures.
LOD-Stufen: Informationstiefe eines BIM-Modells
Das Level of Development (LOD) beschreibt, wie detailliert und informationsreich ein BIM-Modell in einer bestimmten Projektphase ist. Jede Leistungsphase der SIA 102 entspricht typischerweise einer LOD-Stufe.
- 100Konzeptstudie — grobes Volumen, Baukörper als Blöcke. Entspricht etwa SIA-Phase 1 (Vorstudie). Materialien, Öffnungen und technische Angaben noch ohne Präzision.
- 200Vorprojekt — angenäherte Geometrie mit Konstruktionssystem, ungefähre Raumprogramme, erste Materialkonzepte. Entspricht SIA-Phase 31.
- 300Bauprojekt & Baueingabe — exakte Geometrie, präzise Materialien, Öffnungen mit Massen. Grundlage für die Baueingabe. Entspricht SIA-Phasen 32 und 33.
- 400Ausführungsplanung — Fertigungsdetails, Verbindungen, Anschlüsse, herstellerspezifische Bauteile. Grundlage für Werkvertrag und Ausschreibung. Entspricht SIA-Phasen 41 und 51.
- 500As-Built-Modell — Modell des tatsächlich gebauten Zustands nach Abnahme. Basis für Facility Management, Wartung und zukünftige Umbauten. Entspricht SIA-Phase 53.
BIM und 3D-Visualisierung
BIM und 3D-Visualisierung ergänzen sich ideal, sind aber zwei verschiedene Disziplinen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Ein BIM-Modell dient primär der Planung, Koordination und dem Betrieb des Gebäudes — Bauteile sind präzise, Materialien technisch dokumentiert, aber die visuelle Qualität ist sekundär. Ein Visualisierungs-Modell dient umgekehrt der Kommunikation nach aussen — maximale visuelle Qualität, vereinfachte Geometrie, Fokus auf Lichtstimmung und Atmosphäre.
In der Praxis übernehmen wir bei ArchVisual häufig das BIM-Modell eines Architekturbüros als Grundlage und konvertieren es in unser Visualisierungs-Setup. Aus dem IFC- oder Revit-File kommen Geometrie, Raumaufteilung und grundlegende Materialklassen — wir ergänzen fotorealistische Texturen, Möblierung, Vegetation, Staffage und Lichtsetzung. So spart der Architekt die doppelte Modellierung, wir liefern die visuelle Qualität.
Die Details zur Pipeline finden Sie auf der Seite Architekturvisualisierung. Für interaktive Anwendungen aus dem BIM-Modell heraus (Begehung, Konfigurator) ist die Seite 360°-Rundgang der passende Einstieg.
Verwandte Begriffe im Glossar
CGI (Computer Generated Imagery)
Oberbegriff für digital erzeugte Bilder — oft aus einem BIM-Modell als Ausgangsbasis.
Rendering
Der Rechenschritt, der aus einem BIM- oder 3D-Modell ein fotorealistisches Bild erzeugt.
Rendering vs. Visualisierung
Unterschied zwischen Rechenschritt und fertigem Bild — beide Teil der BIM-to-Visualization-Kette.
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