Was ist CGI?
CGI ist die Abkürzung für Computer Generated Imagery — wörtlich «computergenerierte Bildwelten». Der Begriff bezeichnet alle Bilder und Animationen, die vollständig am Computer aus einem 3D-Modell erzeugt werden, ohne dass sie physisch existieren müssen oder fotografisch aufgenommen werden. CGI ist damit ein Sammelbegriff für die gesamte Disziplin der digitalen Bilderstellung: Modellierung, Texturierung, Lichtsetzung, Animation und das finale Rendering.
Der Begriff entstand in der Film- und Fernsehindustrie der 1970er-Jahre: Die ersten kommerziellen CGI-Einsätze waren «Westworld» (1973) und «Tron» (1982) — beide nutzten noch extrem einfache Drahtmodelle. Heute ist CGI aus der Unterhaltungsindustrie nicht mehr wegzudenken: Marvel-Filme, Pixar-Animationen, Werbespots und Computerspiele sind zu 60-100 % CGI. Im Architekturbereich setzte sich CGI in den 1990er-Jahren durch und ist heute Industriestandard — mehr als 90 % aller Schweizer Neubauprojekte werden vor Baubeginn per CGI visualisiert.
Wichtige Abgrenzung: CGI und Rendering werden oft synonym verwendet, sind aber nicht dasselbe. Rendering ist der technische Rechenschritt, der aus einem 3D-Modell ein Bild erzeugt. CGI ist der Oberbegriff für die Gesamtdisziplin. Jedes Rendering ist CGI — aber CGI umfasst auch die vorgelagerten Schritte wie Modellierung und Texturierung.
Einsatzfelder von CGI
CGI ist heute Querschnitts-Technologie für alle visuellen Industrien. Die Haupteinsatzfelder unterscheiden sich in Qualitätsanspruch, Produktionsvolumen und Budget, nutzen aber dieselben Kerntechnologien.
- 01.Film & Fernsehen — Spezialeffekte, ganze Animationsfilme (Pixar, DreamWorks), VFX für Live-Action (Marvel, Star Wars). Hohes Budget, höchster Qualitätsanspruch.
- 02.Architektur- und Immobilienvisualisierung — Der Kernbereich unseres Studios. CGI zeigt Gebäude, Wohnungen und Innenräume fotorealistisch, bevor der Bau beginnt. Einsatz für Wettbewerbe, Baueingaben, Exposés und Portale.
- 03.Produkt- und Werbewelten — Möbelkatalog, Automobilwerbung, Mode, Kosmetik. CGI erlaubt unbegrenzte Perspektiven, Material-Varianten und Szenen — ohne physisches Shooting.
- 04.Computerspiele — Echtzeit-CGI mit Unreal Engine, Unity. Treiber der Hardware-Entwicklung: moderne GPU-Ray-Tracing stammt aus der Spieleindustrie.
- 05.Produkt-Konfiguratoren — Möbel, Autos, Küchen in Webseiten-Konfiguratoren. Kunden wählen Material und Farbe, das CGI aktualisiert sich live im Browser.
- 06.Wissenschaftliche Visualisierung — Medizin (3D-Organdarstellungen), Architektur-Geschichte (Rekonstruktionen verlorener Gebäude), Museen und Ausstellungen.
Die CGI-Produktions-Pipeline
Eine professionelle CGI-Produktion durchläuft typischerweise fünf Phasen. In der Architekturvisualisierung sind diese Phasen oft kleiner als in der Film-Industrie, folgen aber dem gleichen Muster.
1. Modellierung (3D-Modeling)
Erstellen der 3D-Geometrie. In der Architektur oft aus CAD-Daten konvertiert, für Produkte aus technischen Zeichnungen oder 3D-Scans. Software: 3ds Max, Blender, Maya, ArchiCAD, Revit.
2. Texturierung & Materialien
Oberflächen werden mit Texturen, PBR-Parametern und UV-Koordinaten versehen. Jedes Material — Holz, Metall, Glas — bekommt physikalisch korrekte Eigenschaften.
3. Beleuchtung (Lighting)
Licht-Setup mit Sonne, HDRI-Himmel, künstlichen Leuchten. Die Lichtstimmung bestimmt den Charakter des fertigen Bildes entscheidend.
4. Animation (optional)
Für bewegtes CGI: Kameraflüge, animierte Figuren, Tageszeit-Wechsel. In der Architektur typisch für 3D-Animationen und Virtuelle Rundgänge.
5. Rendering & Postproduktion
Finale Berechnung des Bildes (Rendering) plus Nachbearbeitung in Photoshop oder After Effects — Farbkorrektur, Staffage (Menschen, Pflanzen), Atmosphären-Details.
6. Auslieferung
Das fertige CGI wird in passendem Format geliefert: 4K JPG für Print, optimiertes WebP für Portale, 16:9 MP4 für Animationen.
Verwandte Begriffe im Glossar
Rendering
Der technische Rechenschritt innerhalb der CGI-Pipeline — wandelt das 3D-Modell in ein fertiges Bild um.
BIM (Building Information Modeling)
Digitale Gebäudemodellierungs-Methode, die oft den Input für architektonisches CGI liefert.
Rendering vs. Visualisierung
Vergleich zwischen Rechenschritt und Endergebnis — beide Teil der CGI-Disziplin.
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